Mittwoch, 9. Mai 2012

Flugangst - Viva la Aviophobie!


♫♪ Über den Wolken muss die Freiheit Panik wohl grenzenlos sein ♫♪

So kurz vor meinem New York Tripp - und somit mehrstündigem Flug über den großen Teich - will ich mich mal einem nicht so freudigen Thema widmen. Etwa 20 Prozent der Deutschen leiden unter Flugangst - und das glaubt mir wahrscheinlich im ersten Moment kein Mensch, aber ich war jahrelang einer davon. 

Es war mir nicht bewusst, bevor ich im zarten Alter von 17 das erste Mal in ein Flugzeug nach London gestiegen bin. Standardflug, zig Flüge  pro Tag, Dauer ca. 1,5 Stunden. Und trotzdem: sobald ich durch diesen Schlauch laufen musste, um ins Flugzeug zu kommen, bekam ich furchtbare Panik. Ich flog damals zu einem 10-tägigen Schüleraustausch nach England und eine Schulfreundin, die zwar 2 Jahre jünger als ich war, aber um einiges mehr Flugerfahrung aufweisen konnte als ich, hat fast die ganze Zeit meine Hand gehalten. Wie ein Baby hab ich mich angestellt. Schlimm, schlimm.

Im Laufe der Jahre wurde es sogar noch schlimmer und ich habe wirklich oft vor Panik mich an meinem Sitz festgekrallt und geheult. Ich bin nicht schreiend rumgelaufen und habe gebrüllt "Oh mein Gott, wir werden alle sterben", aber innerlich ging es mir tatsächlich genau so.

Das hat mich allerdings nicht vom Fliegen abgehalten. Im Gegenteil. Ich wollte ja verreisen und die Welt sehen, aber das Hin und Zurück war jedesmal ein mittelgroßes Drama. Ich habe auch wirklich versucht, daran zu arbeiten. Ich erinnere mich sogar, dass es einen Sommer gabe, in dem ich in mehrere Freizeitparks gegangen bin, um Achterbahn und Free Fall Towerzu fahren. Gebracht hat das alles allerdings nichts. Erst Jahre später habe ich für mich die Entscheidung getroffen: die Angst vorm Fliegen ist zwar in meinen Augen absolut rational und ich bin nicht gaga, aber ich WILL fliegen und was ich NICHT WILL, ist Angst haben. Macht nämlich keinen Spaß und da ich ja sowieso geflogen bin - trotz Angst - habe ich irgendwann einfach beschlossen, keine Angst mehr zu haben.

Klingt zu banal? Aber es ist wirklich so einfach. Wer sonst sollte etwas an meiner Flugangst ändern als ich selbst? Die äußeren Umstände kann man ja nicht so einfach beeinflussen, aber wie es in einem drin aussieht, schon.

Also habe ich den ersten Schritt getan und mir ein Buch gekauft:


Allen Carr hat auch das Buch "Endlich Nichtraucher" geschrieben und das hat ja bekanntermaßen sehr vielen Menschen geholfen. "Endlich frei von Flugangst" erklärt, warum man Flugangst hat und dass das ganz normal ist und beschreibt alle möglichen Horrorszenarien, die man sich als Aviophober so in seinem Köpfchen ausmalt ganz sachlich und erklärt, warum das Flugzeug eigentlich so ein sicheres Verkehrsmittel ist. Z.B. was ist, wenn sich eine Tragsfläche löst? Oder wenn ein Triebwerk ausfällt? Alles gar kein Problem, wenn man dieses Buch gelesen hat. Der wichtigste Schritt ist, dass es im Kopf Klick macht und bei allen weiteren Schritten kann das Buch wirklich weiterhelfen.

Mittlerweile ist das Fliegen für mich gar kein Problem mehr. Auf dem Rückweg von Jamaika z.B. mussten wir wegen eines medizinischen Notfalls erst in Irland zwischenlanden, bevor es nach Frankfurt weiterging. So konnte ich zumindest aus nächster Nähe beobachten, wie professionell man mit solchen Notfällen umgeht und wie so etwas abläuft. Früher wäre ich wahrscheinlich durchgedreht, aber mittlerweile versuche solche Erfahrungen positiv zu betrachten. Denn wie bereits erwähnt, kann man die Umstände ja nicht ändern, nur seine innere Einstellung dazu.

Wirklich gerne fliege ich aber immernoch nicht. Mich nervt fast alles daran, z.B. dass wir immer den 1-stündigen Flughafen-Transfer organisieren müssen, dass wir 2 Stunden vor dem Start dort sein müssen, die Kontrolle des Handgepäcks und und und. Rumlatschen, Tasche tragen, rumsitzen, auf's Boarding warten. Laaaaangweilig!

Unfreundliches Bordpersonal, unleckeres Essen, schmutzige Toiletten, Druck auf den Ohren, stundenlang in einen Sitz eingequetscht sein... Moment mal, ich glaube mich nervt nicht FAST alles, sondern wirklich ALLES am Fliegen. Ich habe auch immer das Glück, dass irgendwo in meiner Nähe ein Kind weint oder schreit.

Aber zumindest habe ich keine Angst mehr.Was ich mir noch beibehalten habe ist, dass ich immer am Fenster sitzen muss. Dann habe ich den besseren Überblick (als ob das im Ernstfall was ändern würde!). ;)


Aber ich nehme das alles gerne in Kauf für einen wundervollen Urlaub. Klar, es müssen nicht immer Fernreisen sein. Ich mache auch wirklich sehr gerne Städtetripps innerhalb Deutschlands (und ich liebe die Ostsee!!!) oder bin im europäischen Ausland unterwegs. Und trotzdem will ich ab und zu mal ganz weit weg von allem und mal etwas ganz anderes sehen und erleben als zuhause. Ich will andere Ecken und Winkel unseres schönen blauen Planeten sehen und Erdlinge mit anderem kulturellen Hintergrund kennenlernen. Das Gras ist dort grüner, die Bumen duften süßer und die Sonne scheint heller. Ab und zu brauche ich das. Und ich bin froh, dass ich das nun seit ein paar Jahren ohne Panikattacken erleben kann.



Hier ein paar Survival Tipps für den unwahrscheinlichen Fall eines Falles, dass man doch mal in einen Flugzeugabsturz verwickelt wird:

www.n24.de/mediathek/flugzeugabsturz-anleitung-zum-ueberleben





1 Kommentar:

  1. Falls Ihr noch mehr Tipps zum Thema Flugangst haben möchtet kann ich hier noch einen wirklich guten Ratgeber empfehlen.
    Der Autor ist selbst Chef-Steward bei der Lufthansa und Arzt.
    Die Tipps und Tricks haben mir selbst sehr gut geholfen und ich hoffe, dass ihr auch etwas damit anfangen könnt.

    http://www.mittel-gegen-flugangst.de/hilfe-bei-flugangst/buecher/gelassen-fliegen-selbsttherapie-bei-flugangst#more-370

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